Orgelwerke

Wien, Universitätskirche / Jesuitenkirche

Orgelneubau | III/42 | 2004 | Opus 983

Während der Planungsphase zum Bau dieses Instruments erfolgte eine Studienreise zur Cavaille-Coll-Orgel der Kirche Saint-Francois-de-Sale in Lyon. Sie wurde von uns eingehend besichtigt und gespielt. Beim Spieltisch ging es darum, die typischen Bedienungselemente eines Cavaille-Coll-Spieltisches zu übernehmen, um für die Musik- und Orgelstadt Wien auch ein Instrument mit diesen Besonderheiten für Übungszwecke zur Verfügung zu haben. Ansonsten sollte der Sinn und Geist einer Cavaille-Coll-Orgel aufgenommen und verstanden doch nicht Details wie Trakturen, Windversorgung und Windladen kopiert werden. Für die neue Wiener Orgel wurde eine mechanische Registratur geplant und auch Einführungstritte für Jeux de Fond und Jeux de Combinaison. Zusätzlich wurde eine Setzerkombination vorgesehen, um den heutigen Ansprüchen beim Konzertieren gerecht zu werden.

Die Orgel erreicht enorme Ausmaße und hat eine Höhe von über 12 Metern. Da der Kirchenraum sehr groß ist, nimmt man diese großen Dimensionen der Orgel kaum wahr. Noch zwei große Besonderheiten weist diese Orgel auf. Zum einen sind die beiden Pedaltürme um 8 Grad nach innen gedreht, damit man von dem Idealstandort vorne in der Kirche, beim Blick auf die Orgel nur die Front und keine Seitenwände sieht und damit auch die Lichtführung der Orgel optimal ist. Darüber hinaus wurde ein großer Teil der Seitenflächen der Pedaltürme und des Hauptwerksmittelturmes verspiegelt, so dass sich die Körperlichkeit des Orgelgehäuses von der Seite in barocke Illusionen auflöst.

Nach etwa eineinhalbjähriger Planungs- und Bauzeit in den Jahren 2002 / 03 konnte die Orgel Anfang 2004 geliefert, aufgestellt und intoniert werden.
Es ist ein für österreich außergewöhnliches Projekt, dass im Zuge der Generalsanierung der aus dem 17. Jahrhundert stammenden Wiener Jesuitenkirche (Alte Universitätskirche) aus Bundesmitteln der Neubau einer großen Orgel finanziert wurde, die im Rahmen eines internationalen Orgelfestivals der Öffentlichkeit präsentiert wurde.

Dass man sich unter vielen Möglichkeiten für den Typus der französisch romantischen Orgel entschieden hat, bedeutet für die Wiener Musikkultur eine große Bereicherung, da auf dieser Orgel Musik erklingen kann, die man in Wien bisher so noch nie gehört hat.

Disposition

I. Grande Orgue C-g3

  1. Montre 16'
  2. Montre 8'
  3. Bourdon 8'
  4. Violoncelle 8'
  5. Flute harmonique 8'
  6. Prestant 4'
  7. Doublette 2' *
  8. Fourniture V 2' *
  9. Cornet V (g) 8' *
  10. Bombarde 16' *
  11. Trompette 8' *

II. Positif C-g3

  1. Diapason 8'
  2. Cor de Nuit 8'
  3. Salicional 8'
  4. Unda maris (c) 8'
  5. Prestant 4'
  6. Flute douce 4'
  7. Nazard 2 2/3' *
  8. Quarte de Nazard 2' *
  9. Tierce 1 3/5' *
  10. Plein jeu IV 1 1/3' *
  11. Clarinette 8' *

III. Recit expressif C-g3

  1. Bourdon doux 16'
  2. Bourdon 8'
  3. Viole de Gambe 8'
  4. Flute traversiere 8'
  5. Voix celeste (c) 8'
  6. Flute octaviante 4'
  7. Basson Hautbois 8'
  8. Voix humaine 8'
  9. Tremblant
  10. Octavin 2' *
  11. Carillon III 2 2/3' *
  12. Trompette harm. 8' *
  13. Clairon harm 4' *

Pedal C-f1

  1. Basse acoustique 32'
  2. Contrebasse 16'
  3. Soubasse 16'
  4. Flute 8'
  5. Bombarde 16' *
  6. Trompette 8' *
  7. Clairon 4' *

* = Jeux de combinaison

Koppeln und Spielhilfen als Fußtritte:
G.0. / Ped., Pos./Ped.; Rec./Ped.;
Combinaison Ped., Combinaison G.O., Combinaison Pos., Combinaison Rec
Pos./G.O., Rec./G.O., Rec./Pos., Octaves graves Rec.

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