Orgelwerke

Ludwigshafen, Friedenskirche

Renovierung der Steinmeyer-Orgel (1958) | II/27 | 2019

FERTIGSTELLUNG BIS FRÜHJAHR 2019 GEPLANT

 

Ursprünglich 1932 fertiggestellt, wurde die evangelische Friedenskirche in Ludwigshafen am Rhein (Stadtteil Friesenheim) nach Kriegsbeschädigung 1955 verändert wieder aufgebaut. Nach wie vor handelt es sich um einen bemerkenswerten Hallenbau auf kreisrundem Grundriss. Zentral erhebt sich über der Betonkonstruktion ein markanter Turm. Bis auf den Altarbereich bestehen die Wände aus vollständig durchfensterten Rippen, die für ein lichtdurchflutetes Inneres sorgen, das mit seinem flach überkuppelten Raum dem Zeitgeist der 50er Jahre verpflichtet ist. Mittlerweile steht das Gotteshaus unter Denkmalschutz.

Auf der großflächigen, aber geradezu schwebend leicht wirkenden Musikempore steht ein schlichter Freipfeifenprospekt mit symmetrisch W-förmigem Pfeifenablauf. Dieser wird von hinten durch Pfeifen des Oberwerkes überschnitten. Seitenwände und Unterbau sind in dunkelgrün gehalten. Die Orgel ist ein Werk der Firma Steinmeyer aus dem Jahre 1958 (Opus 1954) mit mechanischen Schleifladen. Konstruktion, Material, Pfeifenwerk und Verarbeitung zeugen von sehr guter Qualität. Seit der Erbauung wurden keine Veränderungen vorgenommen.

Dennoch erfordern einige Defekte und Schwachpunkte in Klang und Technik eine grundlegende Renovierung, die wir 2019 angehen werden. Außer der Reinigung und Revision wird unter anderem der Spieltisch generalüberholt und mit einer MIDI-Schnittstelle sowie LED-Beleuchtung versehen; auch die Registerzugbeschriftungen werden erneuert. In den Trakturen müssen diverse Teile ausgetauscht und konstruktive Mängel behoben werden. Undichtigkeiten der Windladen und Windkanäle werden beseitigt. Das äußerst schwache und instabile Windsystem erhält ein neues Gebläse und wird mittels verschiedener neuer Regulierungsvorrichtungen vollständig stabilisiert.

Die runde Bauform, die Kuppelwölbung und das große Altarmosaik als Reflexionsfläche machen die Akustik der Friedenskirche problematisch. Schallbündelungen führen zu einer ungleichmäßigen Ausbreitung des von der Orgel emittierten Schalles im Kirchenraum. Diese Effekte können intonationstechnisch natürlich nicht eliminiert werden. Allerdings wird die bisher unausgewogene Intonation mit ihrem dünnen, grellen Klang durch eine intensive Nachintonation aller Register wesentlich verbessert, so dass die Orgel an Gravität und Charakter, sowie Wärme, Fülle und Farbe gewinnen wird. Dabei bleibt das neobarocke Wesen und die klangliche Aussage des Erbauers in ausgereifter Form erhalten. Als einzige Dispositionsänderung wird die Kopftrompete 4‘ im Pedal mit 12 neuen Pfeifen versehen und zu einer Trompete 8‘ gerückt. Das Register Rohrpommer16‘ wird zu einem Bourdon 16' umgestaltet.

Der Prospekt soll als zeittypischer und integraler Bestandteil der Kirchenausstattung unverändert beibehalten werden. Die Prospektpfeifen erhalten lediglich eine neue Politur und werden gegen Absinken stabilisiert.

Raumansicht mit Orgel
Spieltisch vor der Renovierung

Disposition

I. Hauptwerk C-g3

  1. Bourdon 16‘ (vorher Rohrpommer 16')
  2. Prinzipal 8‘ (Prospekt)
  3. Rohrflöte 8‘
  4. Oktave 4‘
  5. Kleingedeckt 4‘
  6. Quinte 2 2/3‘
  7. Superoktave 2‘
  8. Terz 1 3/5‘
  9. Mixtur 6f. 1 1/3‘
  10. Cymbel 4f. 1/2'
  11. Trompete 8‘
    Tremulant

II. Oberwerk C-g3

  1. Gedackt 8‘
  2. Quintade 8‘
  3. Prinzipal 4‘ (Prospekt)
  4. Koppelflöte 4‘
  5. Oktave 2‘
  6. Quinte 1 1/3‘
  7. Scharff 5f. 1‘
  8. Krummhorn 8‘
    Tremulant

Pedal C-f1

  1. Metallgedeckt 16‘
  2. Subbaß 16‘
  3. Oktavbaß 8‘ (Prospekt)
  4. Pommer 8‘
  5. Spitzflöte 4‘
  6. Mixtur 6f. 2 2/3‘
  7. Posaune 16‘
  8. Trompete 8‘ (tiefe Oktave neu, vorher Kopftrompete 4‘)

 

3 Normalkoppeln
Cymbelstern